English | Français | Español | Magyar | 中文

FAQs der Presse

Wie und wann ist die Idee für die Faire Computermaus entstanden?

Die Gründerin von Nager IT, Susanne Jordan, beschäftigte sich seit ihrem Geographie-Studium mit globaler Gerechtigkeit und fairem und unfairem Handel. Bei ihrem ersten Job bewertete sie dann speziell große Bergbau- sowie IT – Unternehmen in Bezug auf ihre soziale Nachhaltigkeit, also z.B. wie sie mit ihren Lieferanten umgehen, wie sehr sie sie unter Druck setzen und somit gute Arbeitsbedingungen und Umweltstandards dort verhindern. Die tägliche Konfrontation mit den Menschenrechtsverletzungen dieser Branchen und der ihr unverständlichen Unwilligkeit der Unternehmen, vernünftig zu wirtschaften ließ sie schließlich 2009 ihren Job bei oekom research kündigen, um selbst ein faires, also sozial verträglich produziertes IT Gerät in die Welt zu bringen. Die Maus, die gut drei Jahre später fertig war, setzte den Startpunkt für faire Elektronik.

Was sind / waren die größten Schwierigkeiten bei der Entwicklung der Maus und dem Projekt prinzipiell?

  • Faire Rohstoffe in der Maus unterbringen: Nachhaltige Quellen für Metalle gibt es reichlich. Das Problem ist nur, wie bekommen wir die Vor-Vor-Lieferanten dazu, diese auch zu verwenden. Wir planen ein eigenes Projekt für die Lösung dieses Problems mit diversen Partnern ab 2017.
  • Als Startup mit kleiner Stückzahl fehlt uns gewisse Ausrüstung und Know How, so dass die Produktion sehr aufwendig und dadurch die Kosten sehr hoch sind. V.a. am Anfang war dies eine große Herausforderung. So hat es von der Idee bis zur Marktreife der Maus drei bis vier Jahre gedauert.
  • Wir Menschen sind bequem: Insgesamt finden wir wenig Innovationsfreude/ Risikobereitschaft bei Händlern, Beschaffern der öffentlichen Hand, potentiellen Kooperationspartnern, Zertifizierern, Lieferanten oder möglichen Nachahmerprojekten: Wenige wollen wirklich etwas Neues anfangen, streben eher kleine Nuancen-Änderungen in der bekannten Struktur an.
  • Wir sind mit hohen Erwartungen anderer Akteure konfrontiert. So erwarten beispielsweise Händler von uns oft die marktüblichen Rabatte, damit sie ihre Margen erhalten. Dass wir ohnehin viel ehrenamtlich arbeiten gerät dabei oft in Vergessenheit. Umgekehrt sind, gerade Großhändler im Fair-Handels-Bereich nicht bereit, bei sich selbst Abstriche zu machen. Manchmal scheint es, als sollte die Verbreitung fairer Ware und auch fairer IT auf die Schultern ehrenamtlich arbeitender Akteure abgeladen werden.
  • Die theoretische Nachfrage nach Fairer IT ist sehr hoch, konkret sind dann aber doch oft andere Faktoren wichtig (Gehäuse-Form, Farbe, technische Ausstattung, Preis ). V.a. bei öffentlichen Institutionen machen wir die Erfahrung, dass erstmal viel guter Wille da ist, wie z.B. Gemeinderatsbeschlüsse, möglichst fair zu beschaffen. Wenn es konkret wird, werden aber die Hürden innerhalb der Behörden dann oft doch nicht überwunden. Die Faire Maus wird dann lieber als Symbol verwendet, als sie tatsächlich als Alternative für die gewohnten Mäuse in Betracht zu ziehen.
  • Eine Herausforderung ist auch Kommunikation mit chinesischen Unternehmen und eine Einigung darauf, was faire Bedingungen für alle Seiten sind. Hier gibt es noch keine allgemeinen Regelungen am Markt. Bei uns ist die Entwicklung passender Standards noch im Prozess, weshalb die chinesischen Betriebe in unserer Lieferkette alle noch rot markiert sind (unbekannt/unfaire Arbeitsbedingung). Wir kommunizieren mit chinesischen NGOs und Unternehmen für eine gute Lösung. Die chinesische Politik macht uns die Arbeit nicht gerade leicht. All das schließlich noch mit den auf europäische Werte konzentrierten Erwartungen der hiesigen Zivilgesellschaft zusammen zu bringen, ist noch ein weiter Weg.
  • Es ist nicht leicht, "gute" Elektronik-Lieferanten (also mit fairen Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten und verantwortungsvollem Umgang mit der Umgebung) zu finden. Die Bösewichte der Branche lassen sich über eine kurze Internet-Recherche ausmachen. In unzähligen (sehr gut recherchierten) Berichten gibt es ausführliche Informationen über Missstände, Menschenrechtsverletzungen etc. Andersrum ist es schwieriger. Es gibt keine Whitelist o.ä. Auch konkrete Anfragen bei den Recherchierenden waren erfolglos. So bleibt nur die eigene Recherche, was recht aufwendig ist. Eine größere Nachfrage wäre da schon hilfreich.

So schreiten wir frisch und fröhlich bei der Überwindung dieser Hürden voran, auch wenn wir uns doch manchmal fragen, ob Innovation in die Welt kommen kann, wenn von unseren Gewohnheiten nicht abgerückt werden will.

Ist eine komplett faire Herstellung einer Computermaus überhaupt möglich?

Klar ist es möglich, fair zu produzieren, man muss nur die Menschenrechte einhalten. Das geht bei Schokolade, Kaffee, Klamotten, Fußbällen und auch bei Technik. Allerdings ist es für uns, als kleinen Hersteller wesentlich schwieriger, Lieferanten von diesem Prinzip zu überzeugen, als das für eine große Firma wie Apple wäre. Die könnten schon entsprechende Vorgaben machen und hätten in kürzester Zeit ziemlich faire Produkte.
Wir selbst behalten das Ziel der komplett Ausbeutungs-freien Maus immer im Auge. Bisher haben wir erreicht, dass die Montage sowie auch die Lötarbeiten komplett fair durchgeführt werden. Das gleiche gilt für ca. 2/3 der Bauteile. Wir beziehen viel aus regionaler Produktion und arbeiten daran, mehr recycelte Metalle zu verwenden. Wir sind in guter Kommunikation mit einigen unserer chinesischen Lieferanten. Dabei gehen wir den mühsamen Weg der Kommunikation auf Augenhöhe. Das verlängert den Prozess zwar ungemein, verspricht dafür aber stabileren Erfolg.
Eine komplett faire Produktion wäre sicherlich schneller zu erreichen, wenn es mehr faire Produzenten gäbe, die alle faire Bauteile und Rohstoffe nachfragen, z.B. faire Kabel, fairen Zinn etc. Zusätzlich ist es natürlich notwendig, dass die Nachfrage (seitens der Kunden) nach fairen IT Geräten noch etwas mehr steigen würde. Das würde neue Akteure motivieren und bestehenden Produzenten mehr Marktgewicht verleihen.

Wie wird bei Nager IT die Fairness in den Lieferbetrieben überprüft?

In unserer aktuellen Lieferkette sind faire Lieferanten diejenigen, die in Ländern produzieren, die für gute Arbeitsstandards bekannt sind, wie z.B. Deutschland, Israel oder Japan. Dort müssen wir lediglich sicherstellen, dass die Bauteile auch wirklich dort produziert werden und nicht als Handelsware aus anderen Ländern bezogen werden.
Wir sind aber auch mit chinesischen Betrieben in Verhandlungen, die derzeit noch konventionell für uns produzieren. Sobald diese Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen sind, wird für uns die Frage der Überprüfung aktuell. Dabei müssen wir sehr vorsichtig vorgehen, um zum einen ein realistisches Bild zu erhalten, zum anderen aber unsere willigen Partner nicht zu verprellen. Wir haben bereits Kontakt mit ein bis zwei chinesische NGOs, die unsere Werte teilen, und mit denen wir dann noch näher zusammen arbeiten werden.

Wie viele von den Mäusen habt ihr schon verkauft?

Unser Plan bis Ende 2016: 10.000 faire Mäuse auf diversen Bürotischen. Es sieht aus, als würden wir das Ziel erreichen.

Plant ihr auch andere Produkte in der Zukunft?

Wir sind mit der Maus derzeit ausgelastet. Vielleicht schaffen wir es, zusätzlich eine kabellose Version ins Sortiment aufzunehmen. Zur Zeit haben wir dazu aber noch nicht die Mittel. Angedacht war auch ein fairer Rauchmelder. Mit Einführung der Rauchmelder-Pflicht für alle, wäre da ein guter potentieller Markt gewesen. Leider mussten wir das aus Zeitgründen vertagen. Ein weiteres Produkt, das seit Jahren in unseren Köpfen spukt sind faire Kopfhörer. Vielleicht findet sich ja demnächst mal wieder ein mutiger Menschen oder eine Gruppe mutiger Menschen, die die faire-Elektronik Branche durch eines dieser Geräte oder ein anderes faires Elektronikgerät bereichert.